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Kölner Schattenspiele

 

KÖLN. Das Licht geht aus, der Kassettenspieler verstummt. Zurück bleibt ein im Dämmerlicht zusammengesunkener Odoardo, klagend ob des tragischen Verlustes seiner Tochter Emilia, alleingelassen im Reigen der Intrigen.

Die nun angelaufene Inszenierung Gotthold E. Lessings „Emilia Galotti“ hat es nicht leicht, muss sie sich doch an Michael Thalheimers gefeierter Galotti-Inszenierung messen lassen. Doch Regisseur Dušan David Parizek versteht, eigene Akzente zu setzen, auch wenn er sich dabei durchaus an Thalheimers vorangegangener Inszenierung orientiert.

So ist das Schlüsselwort auch hier die Reduktion. Auf Lessings deutlich, aber sinnvoll gekürzte Vorlage gestützt, positioniert er seine Schauspieler vor einer schlichten, holzbraunen Parkettwand, die, im Laufe des Stückes mehrfach heruntergeklappt, als einzige, triste Kulisse dient und mit seiner Ästhetik an längst vergessene Parkettkonstruktionen der 50er Jahre erinnert.

Passend dazu hüllt er seine Kombattanten, mit Ausnahme des emotional-dandyhaft agierenden Prinzen von Gustalla (Sébastien Jacobi), durchweg in strenge, graue Anzüge und nicht minder durch ihre Schlichtheit dennoch auffallende Rock-Blusenkombinationen, die noch einmal den Mief der 50er hervorholen.

Diese Parabel auf die 50er mit all ihren spießig-bürgerlichen Moralverstellungen passen perfekt auf Lessings 200 Jahre zuvor verfassten Abgesang auf den universellen Moralitätsanspruch des Bürgertums.

Die naiv-unschuldig, aber doch recht blass agierende Emilia (Vanessa Stern), ihr tugendhafter Vater Odoardo, durch den für diese Rolle eigentlich recht jungen Dirk Lange glaubhaft verkörpert und der schleimig-intrigante Marinelli (Lukas Holzhausen), mit seiner beamtenhaft anmutenden Hornbrille köstlich abstoßend anzusehen, all diese Charaktere versetzen Lessings Drama plausibel in einen gut 200 Jahre späteren Rahmen.

Lediglich der Prinz, die einzig wirklich durchgängig stark emotional geleitete Person im Drama, fällt durch seine lockere Anzugkombination aus dem Rahmen und nimmt so eine deutlich herausgehobene Stellung ein.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch eine zwar spärliche, doch konsequente Beleuchtung. Die Wandkonstruktion bietet sich ideal für verschiedenste Schattenbildungen, die die Figurenkonstellation unterstreichen, an.

So erscheint Emilia als winzig anmutendes Schattenweibchen, während der Prinz stets bedrohlich groß über dem Geschehen zu stehen scheint.

All diese akzentuiert eingesetzten Mittel, wozu auch die spärlich über einen von den Schauspielern bedienten Kassettenspieler eingespielte Hintergrundmusik zu zählen ist, verfehlen ihre Wirkung nicht, auch wenn sie nur kaschieren, dass hier vor allem auf die textlich-inhaltliche Darbietung fokussiert wurde. Das gewährleistet zwar eine weitgehende Beibehaltung der Intention Lessings und eine erheblich tiefer gehende Darstellungsleistung, erfordert vom Zuschauer jedoch eine gewisse Konzentration, die durch einzelne, zum Glück jedoch recht rar gesäte Längen im Stück, nicht immer vollends gewährleistet ist.

Insgesamt gesehen versucht sich Parizek an einem nicht einfach zu inszenierenden Stück mit einer durch die Vorgänger hoch gelegten Messlatte, schafft es jedoch, ohne die anderen großen Inszenierungen vollends aus dem Blickfeld zu verlieren, deutliche eigene Akzente zu setzen und eine sehenswerte Umsetzung der Dramenvorlage aufzuführen.

 

Björn Wilde

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