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Bereits zu Beginn des Stückes zeigt er, wie willkürlich der Adel, der
in seinem Stück durch den Prinzen vertreten wird, denkt und auch
handelt. Als der Prinz erfährt, dass Emilia Galotti den
Grafen Appiani heiraten wird, ist er bereit „ alles [zu]
genehmigen, (...) was diesen Streich abwenden kann“ (I,6). Schon
allein für das Gemälde der Emilia Galotti, das der Maler Conti ihm
mitbringt, ist der Prinz bereit, sehr viel zu bezahlen, so sagt er
zu Conti „ (…) und lassen Sie [...] für beide Porträte sich
bezahlen, was Sie wollen. So viel Sie wollen“ (I, 5). Der Prinz
ist der Ansicht, dass er sich alles erkaufen kann, wenn er es möchte
und es ebenso schnell wieder loswerden kann. Er wird sehr
leichtfertig und nur von seiner Besessenheit von Emilia geleitet;
alles andere scheint in den Hintergrund zu rücken. Dies zeigt sich
auch, als der Prinz ein Todesurteil unterschreiben soll: „Ein
Todesurteil wäre zu
unterschreiben.“ „ Recht gern. Nur her! Geschwind“ (I,8)
Der Prinz sieht ebenso die Taten Marinellis nicht als äußerst
verwerflich und bedenklich an; als er allerdings erkennt, dass er
selbst mit dem Mord an Appiani in Verbindung gebracht werden
könnte, beschuldigt er Marinelli und verbannt ihn auf ewig von
seinem Hof:
„
Geh, dich auf ewig zu verbergen! - Geh! Sag ich. -
Gott! Gott! Ist es zum Unglücke so manches nicht genug, dass
Fürsten Menschen sind: müssen sich auch noch Teufel in ihren
Freund verstellen?“ (V, 8).
Ein weiteres Beispiel, dass
der Prinz mit Menschen, die ihm unliebsam geworden sind, nichts mehr
zu tun haben will , ist auch seine ehemalige Mätresse, Gräfin
Orsina. Die Gräfin schreibt dem Prinzen einen Brief, dieser sieht
es nicht für nötig an, ihn zu lesen und als die Gräfin ihn auf
seinem Lustschloss sprechen will, lautet die Antwort Marinellis: „
Sie irren sich, gnädige Gräfin. Der Prinz erwartet Sie nicht. Der
Prinz kann Sie hier nicht sprechen, will Sie nicht sprechen“ (4.
Aufzug, 3. Auftritt)
Marinelli, der
Kammerherr des Prinzen, ist ein hinterhältiger und listiger
Charakter. Als er dem
Prinzen vom Tod des Grafen Appiani berichtet, behauptet er: „..
der Tod des Grafen ist mir nichts weniger als gleichgültig.“(IV,1).
Marinelli versucht, die Handlungen des Prinzen zu lenken. So fordert
er in einem Gespräch mit Odoardo und dem Prinzen diesen auf, seiner
Richterfunktion nachzugehen, bei vollem Bewusstsein ihrer
gemeinsamen Verantwortung:
„ Es geht mir nahe, der Gnade meines Fürsten in den
Weg zu treten. Doch wenn die Freundschaft gebietet, vor allem in ihm
den Richter aufzufordern -“(V,5).
An dieser Stelle zeigt sich
die Überschreitung seiner Kompetenzen als Fürstendiener und
Beherrschung der höfischen Spielregeln zum Erreichen seiner persönlichen
Interessen.
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Im Gegensatz zu dieser
Vorstellung der Beherrschbarkeit und Käuflichkeit steht das Bürgertum,
verkörpert durch Emilia Galotti und ihren Vater Odoardo. Emilia
Galotti ist ein sehr tugendhaftes und religiöses Mädchen; ihr
Vater ist ebenfalls ein sehr tugendhafter Mensch, er wird vom Grafen
Appiani als „ das Muster aller männliche[n] Tugend“ (II, 7)
beschrieben. Emilia will sich sogar töten, um ihre Tugendhaftigkeit
zu bewahren: „ Mir, mein Vater, geben Sie diesen Dolch.“ (V, 7).
Emilias Konflikt
besteht in ihrer erkannten Schwäche, Hilflosigkeit und Verführbarkeit
sowie dem daraus resultierenden Schuldbewusstein ihrem Vater gegenüber,
obwohl ihre Mutter
Claudia oftmals andere Ansichten vertritt. Odoardo ist ein
typischer Patriarch, der Macht über seine Familie ausübt, dabei
sehr besorgt um Emilia ist, allerdings auch ein übertriebenes
Tugendbedürfniss inne hat, was schließlich zum Tode Emilias führt.
Der Prinz als Landesfürst befindet sich in dem Konflikt, Emilia zu
lieben und sie sehr zu begehren. Er entschließt sich dazu, seine
Macht zu missbrauchen, nur um sein Verlangen nach Emilia stillen zu
können.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Wertsystem des Bürgertums,
bestehend aus Moral, Religion und Tugend, der Lebensweise des Adels
gegenüber gestellt wird. Lessing möchte mit seinem Werk „Emilia
Galotti“ zeigen, dass zur damaligen Zeit nur das Bürgertum dazu
in der Lage war, eine neue und bessere Gesellschaft erschaffen zu können.
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