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Das Licht der
Aufklärung spielt mit den Charakteren, die es durch herausragende
Leistungen und mit vollem Körpereinsatz geschafft haben, den alten
Schinken Emilia Galotti moderner denn je erscheinen zu lassen.
Verträumt sitzt sie da, einsam und klein auf
der Bühne, dem Zuschauer ganz nah. Sie, Emilia, lauscht den warmen
Klängen der Gitarre und sanften Stimmen, die, wie im Traum, im
Duett singen. Auf einmal steht er hinter ihr, verweilt dort. Ein
kurzer, scheuer Blick Emilias, dann lässt sie ihn stehen. Er, der
Prinz, blickt nun selbstgefällig ins Publikum, stellt sich vor, und
reflektiert seine Lage. Es wird dunkel.
Dies alles spielt sich vor einem raffinierten Bühnenbild
ab, das wegen seiner intelligenten Konstruktion nicht nur von einem
Moment auf den anderen verändert werden kann, sondern auch durch
Ecken und Schrägen unzählige Lichteffekte zaubert. Die Schatten
der Figuren werden situationsgemäß mal größer, mal kleiner, mal
lassen sie die Charaktere nah beieinander sein und mal ganz fern
erscheinen und ab und zu werden die Körper ins Groteske verzerrt.
So kann es passieren, dass der Zuschauer in der Schattengestalt des
Marinelli, - der im Hause Galotti erscheint um den Nebenbuhler des
Prinzen, Appiani, ins Schloss zu locken - den Tod erkennt, samt
Umhang und Sense. Durch den Schatten wird dem Zuschauer viel
Interpretationsfreiheit gelassen, durch gezieltes Licht das Wichtige
betont.
Sowieso hat der Zuschauer wenig Möglichkeit,
sich in seinem Sessel zurückzulehnen und von dem Stück
abzuschweifen, da er durch die erfrischenden schauspielerischen
Leistungen geradezu in einen Bann gezogen wird. Durch harmonische
Musik und Bühnenbilder werden die Sinne betört, das laute Knallen
eines gezielten Schusses lässt Adrenalin in die Adern schießen und
der Geruch des Schießpulvers bringt das Herz zum Rasen.
Und wem das Herz nicht vor Empathie rast, dem
lacht es entweder mit den Schauspielern, mal aus Entzücken oder aus
Verzweiflung, oder wegen der Inszenierung, die stellenweise von
Sarkasmus, Ironie oder einer makabren Situation bestimmt wird.
Auch wenn das Original bekannt ist, schon
etliche Inszenierungen gesehen und schon viele Enttäuschungen mit
nach Hause getragen wurden, so lohnt es doch, sich auf dieses Stück
einzulassen.
Obwohl der Stoff sehr komprimiert, der Wortlaut
aber beibehalten wurde, ist das Stück eine wahre Explosion von
Emotionen und besticht durch seine Ausdruckskraft, die noch lange im
Gedächtnis bleiben wird.
Verabschiedet wird man nämlich mit dem
besonderen Gefühl der süßen Melancholie, die Emilia mit ihrem
Totentanz zu leisen Tönen auf einem großen Schachbrett anstimmt.
Wiebke Webers
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