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Lothar Kittstein zur Kölner
Emilia– Galotti–Inszenierung
Der
Zuschauer
soll ergriffen sein
Die Zielvorstellung des Dramaturgen ist es, so
nahe wie möglich an Lessings literarischem Werk zu bleiben und doch
soll es geringfügig, aber nicht krampfhaft aktualisiert werden. Das
Ziel der Arbeit ist es, ,,in das Stück reinzukommen, dass die Leute
mitgehen’’. Dabei soll der Zuschauer sogleich etwas Fremdes vor
sich sehen, als auch etwas, womit er sich identifizieren,
beziehungsweise mitfühlen kann, so dass er sich später – wenn
das Stück beendet ist – Gedanken über die zentralen Themen
machen kann.
Damit diese Wirkung allerdings erzielt werden
kann, müssen das Stück und seine Handlung interessant werden. So
hat der Dramaturg erst einmal die Textmenge halbiert, wegen
,,überflüssigen
Zusatzzeugs’’, wie er es selbst nennt. Wichtig dabei ist, dass
alle Szenen, die für das Verständnis der Handlung sorgen,
beibehalten werden. Alle Szenen müssen sich dann auf die zentrale,
oder auch Schlüsselszene beziehen. In ,,Emilia Galotti’’ sieht
der Dramaturg diese in der Schlussszene auf dem Lustschloss des
Prinzen, wenn alles auf den Tod Emilias hinausläuft. Dafür ist die
Anfangsszene, in der der Maler Conti dem Prinzen die Bilder der Gräfin
Orsina und Emilia überreicht, eher unwichtig. Zwar wird dem Prinzen
das Bild Emilias überreicht, jedoch durch Marinelli, der in einer
engeren Beziehung mit dem Prinzen steht als Conti. Dieser führt in
der Anfangsszene eine recht belanglose Unterhaltung, die keinen
Bezug zur Schlussszene nimmt. Daher wurde sie herausgeschnitten. Die
Szenen wurden auch gekürzt, weil die Handlung auf den Punkt
gebracht werden soll, was bedeutet, dass man den Leitfaden – die
Hauptaussage des Stückes –
nicht verlieren darf. Er kann zum Beispiel die familiäre
Tragödie oder auch die Liebesbeziehung zwischen Emilia und Appiani
oder Emilia und dem Prinzen stärker betonen. Dabei muss er
allerdings auch bedenken, wie er am besten Spannung in die Szenen
mit einfließen lässt und was szenisch wirkungsvoll ist. Kittstein
war es dabei wichtig, die Figuren weitmöglichst zu bewahren, ,,sich
ihnen zu nähern und sie deutlich zu machen’’.
Auf die Frage hin, ob der Schwerpunkt nun auf
dem Konflikt der Ständegesellschaft oder auf der familiären Tragödie
liege, meinte Kittstein, die beiden zentralen Themen seien schwer zu
trennen, da sie beide zusammen wirken. Es soll also ,,um die
Machtposition im Staat gehen’’ und ,,um eine Familie’’, die
es beide zu jeder Zeit gibt. Dabei vertritt die Familie den
,,privaten Raum’’ und der Staat, beziehungsweise die Macht den
,,öffentlichen Raum’’. Zusammenfassend formuliert geht es um
,,die Frage von Macht und was sie mit einer Gesellschaft anrichtet,
wenn sie missbraucht wird’’.
Lothar Kittstein selbst findet, der Zuschauer
,,soll am besten gar nicht groß was dabei denken, er soll am
liebsten überhaupt nicht denken. Er soll einfach fasziniert
zugucken und am Ende möglichst ergriffen sein von dem, was da
passiert’’. Seine Vorstellung von einer gelungenen Aufführung
ist, dass sich die Zuschauer am Ende Gedanken über die zentralen
Themen, also Machtmissbrauch und dem Familienkonflikt, machen.
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