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Eine sehr gelungene, durchgängig moderne
Inszenierung von Lessings Emilia Galotti; ein Stück, das mit
modernen Mitteln arbeitet und von den Schauspielern den Einsatz
treffender Gestik und vor allem Mimik sowie Variation der Stimme
fordert, was sehr gut umgesetzt wird.
Es gibt nur wenige Requisiten, zum Beispiel
einen Kassettenspieler, der einige Male angeschaltet wird; zu hören
sind dann Lieder, die zu der gerade gespielten Situation passen:
Wenn der Prinz anfangs an Emilia denkt, spricht der Liedtext von
„Phantasie“.
Eine
weitere Modernisierung erkennt man bereits an der Kleidung. Die
Frauen tragen bis auf Gräfin Orsina, die eine Hose trägt, um ihre
Emanzipation und Aufgeklärtheit zu verdeutlichen, Kleider bzw. Röcke,
die Herren tragen bis auf Marinelli, der eine Strickjacke statt
Jackett trägt, was sein listiges Aussehen unterstreicht, Anzüge.
Das Bühnenbild, ebenfalls modern, besteht aus stehenden Holzwänden,
die während des Stückes umgekippt werden. Dadurch werden die
einzelnen Orte und Räume unterteilt, in denen das Stück spielt.
Besonderes Augenmerk wird auch auf den Einsatz
des Lichtes gelegt. Es gibt zwei Scheinwerfer auf der Bühne. Die
Schauspieler sind auf den Holzwänden als Schatten zu sehen, wodurch
die Beziehungen der einzelnen Personen und die Machverhältnisse
zueinander verdeutlicht werden. In einem Gespräch von Odoardo mit
seiner Frau Claudia ist der Schatten von Odoardo größer, weil er
das Oberhaupt der Familie ist.
Zu kritisieren ist, dass das Stück jemandem,
der das Drama von Lessing nicht gelesen hat, Schwierigkeiten
bereiten könnte, dem Spiel zu folgen, da die Schauspieler oftmals
sehr viel an einem Stück sprechen.
Außerdem sind manche Details nur verständlich,
wenn man die Lektüre kennt, beispielsweise als der Prinz Emilia über
ihr Gesicht streichelt, nachdem sie bereitwillig sein Jackett
genommen hat und darauf wegläuft, weil Emilia in diesem Moment ihre
Verführbarkeit erkennt.
Wenn man das Drama jedoch kennt, halte ich die
Inszenierung für empfehlenswert und sehr interessant, da man den
Bezug zur heutigen Zeit durch das Verhalten und die Reaktionen der
Figuren, die der heutigen Zeit angepasst sind, sehr gut erkennen
kann.
Außerdem erlebt der Zuschauer ein wunderbares Zusammenspiel von Licht,
Ton und Schauspielern. Ein Stück, das die Zuschauer begeistern
wird.
Isabel Bormann
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