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Odoardo Galotti

 

Emilia Galottis Vater, Odoardo, ist ehemaliger Obrist und Wertschätzer jener bürgerlichen Tugenden, die im Zeitalter der Aufklärung als das höchste Gut angesehen wurden.

Er ist von sowohl strenger und leicht zu erzürnender als auch von liebender und sorgenvoller Natur. So wird im Verlauf des Dramas deutlich, dass Odoardo all seine Bemühungen, so auch jene um ein hofabgewandtes Leben fern aller Unruhen, die am Hofe des Prinzen herrschen, der Sorge und Fürsorge für seine Familie widmet.

Vor allem ist Odoardo ein Verstandesmensch, der von sich selbst stets die volle Inanspruchnahme seiner Vernunft verlangt:

 „Aber, sieh da! Schon wieder; schon wieder rennet der Zorn mit dem Verstande davon.“    (V, 4)

 

Marinelli, Odoardo und Prinz

 

Er verkörpert das in „Emilia Galotti“ dargestellte Bürgertum, das der herrschaftlichen Macht nur seine höhere Moral entgegensetzen kann.

Der moralisch- seelische Zwiespalt des bürgerlichen Vaters und seiner Tochter gipfelt in dem übereilten und aus Hilflosigkeit geschehenden Mord des Vaters an seiner Tochter. Da Odoardo um die Unschuld seiner Tochter fürchtet und nicht länger fähig ist, sie den Händen ihres potenziellen Verführers, des Prinzen, zu überlassen, sieht er keinen anderen Ausweg, als sie durch den Mord an ihr vor sich selbst und vor der Missachtung der Tugenden - sei es durch die Verführung durch den Prinzen oder den von ihr angedeuteten Selbstmord - zu schützen.

Ist Odoardo zu Beginn des Stückes ein beherrschter und ganz seiner ehemaligen Rolle als Offizier folgender Charakter gewesen, so wird er im fünften und letzten Aufzug des Dramas zum Menschen, was durch die Sorge um den Zustand seiner Tochter verdeutlicht und vermittelt wird.

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