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Emilia Galotti

 

Die Titelfigur trägt eine zentrale Bedeutung für die Dramenhandlung, da sie die Basis für die Intrige Marinellis darstellt. Außerdem spitzt sich die dramatische Entwicklung zu ihrer Person hin, deren Opfer sie letztendlich wird.

Sie spielt eine passive Rolle, weil sie vergleichsweise wenige Auftritte hat, aber bereits anfangs gegenwärtig ist und zwar nicht durch physische Anwesenheit, sondern als Gesprächsthema anderer. So werden voneinander abweichende Einschätzungen Emilias deutlich und die verschiedenen Aspekte ihres Charakters treten in den Vordergrund.

Einerseits gilt sie als „lieb, bescheiden, sanft und ängstlich“, was durch ihr äußeres Erscheinungsbild unterstützt wird. Die tugendhafte Emilia zeigt außerdem einen ausgeprägten Familiensinn; sie ist von ihren Eltern sowohl emotional als auch finanziell abhängig.

Andererseits zeigt sie Mut und Entschlossenheit.

Aufgrund dessen muss sie widersprüchliche Erwartungen erfüllen:

  • Der autoritäre Odoardo erwartet Konformität in Moralvorstellungen.

  • Claudia wünscht Einhaltung der gesellschaftlichen Umgangsformen.

  • Appiani sieht sie als zukünftige Ehefrau, die seine zurückgezogene Lebensweise teilt.

  • Der Prinz will sie als neue Geliebte.

Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert“ ( V,8 )  

 

Emilia und ihre Mutter Claudia

Im Dramenverlauf lässt sich eine Charakterentwicklung erkennen. Die zuerst eingeschüchterte Emilia beginnt die Intrige des Prinzen zu durchschauen und gewinnt dadurch mehr und mehr an Selbstbewusstsein, welches sie im letzten Akt in voller Stärke präsentiert.

Sie empfindet Hass gegenüber dem Prinzen, als sie die Intrige komplett durchschaut und demonstriert ihre Tugendhaftigkeit in der Tatsache, dass sie den Verlust ihres Lebens weniger fürchtet als den ihrer Unschuld, der einem Identitätsverlust gleich käme. Also erklärt sie sich bereit zu sterben, um dem Prinzen, der ihr die Unschuld nehmen könnte, zu entfliehen.

Sie stilisiert sich selbst zur Tugendheldin, als sie jenes Geschehen in die Metapher fasst: „Rose“ (sie selbst), die (von der Hand des Vaters) „gebrochen“ wurde, bevor sie vom „Sturm“ (der vom Prinzen entfachten Leidenschaft) , „entblättert“ (V,8).

Züge der Aufklärung sind in der Rolle der Emilia deutlich zu erkennen. So, wie sie immer mehr Erkenntnisse über die Zusammenhänge der Ereignisse erlangt, so lernt sie sich mehr und mehr den Gegebenheiten zu widersetzten und findet so einen Weg aus der Passivität.

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