|
Der
Begriff Aufklärung kennzeichnet einen gesellschaftlichen
Emanzipationsprozess in Europa, dessen Ziel es war, die Vernunft in
den Mittelpunkt des Denkens zu stellen, welches dadurch von starren
Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien befreit werden sollte.
Daher kann man die Aufklärung auch als Epoche der Emanzipation
wissenschaftlichen Denkens von der Vorherrschaft der Kirche, d.h.
der Säkularisierung, bezeichnen. Zum Prozess der Aufklärung gehören
Meinungs- und Pressefreiheit sowie notwendigerweise die Toleranz
anderer.
Der
aufgeklärte Mensch sollte also nicht mehr den Vorgaben der
Obrigkeiten, wie zum Beispiel der Kirche oder dem Fürsten blind
vertrauen, sondern sein Leben selbstbestimmend in die Hand nehmen
und sich dabei von der Vernunft leiten lassen.
„Sapere
aude!“: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Kants
Leitspruch, der durch seinen Essay „Beantwortung der Frage: Was
ist Aufklärung“ bekannt wurde, gilt daher als Leitgedanke der
Aufklärung. Die Entwicklungsmöglichkeiten des Einzelnen führen
letztendlich zu einer Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse
nach den vernunftgeleiteten Prinzipien von Freiheit und Gleichheit.
Gotthold
Ephraim Lessing, einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Aufklärung,
verstand sich als „Weltbürger“, der als umfassend gebildeter
Mensch in der ganzen Welt der Bildung zu Hause ist. Durch seine
Theaterstücke, die erstmals im bürgerlichen Milieu spielen, und
seine theoretischen Schriften wurde
er zum Vordenker für das Selbstbewusstsein des sich neu
formierenden Bürgertums, da
es ihm
gelungen ist, die theoretischen Vorstellungen der Aufklärung auch
literarisch darzustellen. Ein neues Menschenbild zeigen die von ihm
erfundene aufgeklärte Frauengestalt Gräfin Orsina und der
Menschlichkeit und Toleranz lehrende und lebende „weise“ Nathan.
|