| Für welche Arbeiten sind Sie zuständig?
Das Marketing des Schauspielhauses ist für jegliche Öffentlichkeitsarbeit
verantwortlich:
Für die Zusammenarbeit mit der Presse, wir dienen sozusagen
als Informationsquelle für das Stück; außerdem erstellen
wir sogenannte Pressemappen, welche zum einen für die Journalisten
als Quelle dienlich sind und natürlich für spätere
Anfragen
(z.B. Doktorarbeiten) oder für das Schauspielhaus intern archiviert
werden.
Die Pressemappe enthält jegliches Informationsmaterial- Hintergrundwissen,
Schauspieler und ausgewählte Fotos.
Eine Hauptaufgabe des Marketings ist der Entwurf von Werbemitteln,
wie beispielsweise Plakate, Citylights (große auffällige
Werbeflächen mitten in der Stadt), Programmhefte („Spielzeit“),
Handzettel, Spielpläne, Prospekte, Citypostkarten oder Anzeigen,
wobei wir uns jedoch immer an ein gewisses Budget für Druckerarbeiten
etc. halten müssen.
Wir bringen Ideen mitein, für die künstlerische Umsetzung
ist jedoch der Grafiker verantwortlich.
Wie gehen Sie bei der kreativen Arbeit, sprich
dem Entwurf der Werbemittel, vor?
Als erstes setzen wir uns mit den Grafikern zusammen und erarbeiten
ein Konzept über die Auswahl der Motive und die Anordnung.
Besonders wichtig ist bei der kreativen Arbeit das Zusammenspiel
mit dem Dramaturgen, welcher über eine kompetente Stückkenntnis
verfügt. Dieser nennt uns bestimmte Schlüsselszenen- b.z.w.
– wörter, die uns einen groben Eindruck verschaffen.
Dann beginnt die freie Arbeit, da wir hauptsächlich improvisieren
müssen.
Müssen Sie bei den Entwürfen auf
bestimmte Aspekte achten?
Im Vordergrund steht immer der Gedanke, dass man die Aufmerksamkeit
der Bürger erregen muss. Dabei setzt man meistens auch fest,
welches Publikum erreicht werden soll – in letzter Zeit wird
verstärkt auf junges Publikum gesetzt. Man versucht durch gute
Werbung junge Leute für die Oper zu interessieren.
Wichtig bleibt jedoch immer eine gute und für das Schauspielhaus
charakteristische Linie, welche ungefähr einmal im Jahr wechselt.
Wichtig ist hierbei natürlich auch immer der Wiedererkennungseffekt
durch ein bestimmtes Logo.
Woher wissen Sie ob eine Linie gut ist?
Wir erkennen eine gute Linie am Zuspruch und den Reaktionen des
Publikums. Im Regelfall ändern wir eine Linie zum Jahrsbeginn,
aber wenn eine Linie gut „ankommt“ wechseln wir natürlich
erst einmal nicht. Unsere gegenwärtige Linie beispielsweise
ist ansprechend.
Wie sieht Ihre derzeitige Linie aus?
Charakteristisch für unsere derzeitigen Plakate sind
Fotos, die sehr ins Detail gehen z.B. eine Lorbeertüte,
eine Treppe, die Garderobe des Schauspielhauses oder wie bei
„Don Karlos“ eine große Plakatwand am Ebertplatz
in Köln, auf welcher ein Stier zu sehen ist, diese sollte
ursprünglich als Webung für ein alkoholisches Getränk
dienen.
Im Mittelpunkt der derzeitigen Linie stehet für uns die
Alltagsästethik.
|
 |
Ist ein solches Motiv denn nicht irritierend
für die Menschen auf der Straße?
Gerade der zweite Blick, schafft es, das Interesse des „Zuschauers“
zu erwecken. Wenn er über den Sinn und somit auch den Urheber
des Plakats nachdenkt, haben wir unser Ziel schon erreicht.
Was zeichnet diese Arbeit aus?
Besonders interessant und spannend ist die Kreativität und
der Ideenreichtum, den man mit einbringt, wobei man natürlich
auch häufiger Kompromisse eingehen muss, da man immer kundenorientiert
bleiben soll b.z.w muss – nicht jede kreative Idee ist auch
einsetzbar für die breite Masse. Man sollte sich immer fragen:
was erwarte ich und was erwartet das Publikum.
Dennoch muss man während unserer Arbeit immer auf die Einhaltung
unseres zur Verfügung stehenden Budgets bedacht sein.
Welche Ausbildung braucht man für diese
Arbeit?
Nach meinem Magister in Germanistik und Politik und Zusatzkursen
für neue Medien, Projektmanagement, BWL und Marketing habe
ich in einer Internetagentur und in einer weiteren kleineren Marketingagentur
gearbeitet, bis ich zum Schauspielhaus gekommen bin. |