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Mobbing und Lästereien
von Felicitas Saal, Schülerin des
Lise-Meitner-Gymnasiums
Eine scharfe
Kritik an der Gesellschaft lässt sich in der aktuellen Inszenierung
des Menschenfeindes finden. Begründet auf der Übersetzung von Jürgen
Gosch und Wolfang Wiens und durch leichte Änderungen der modernen
Zeit angepasst ist das Stück unter der Leitung von Karin Henkel auch
für das 21.Jahrhundert zeitgemäß. Die Komödie beschäftigt sich mit
Selbstzerstörung und -findung. In den Rollen wird um Akzeptanz durch
Anpassung und Liebe jenseits von Vernunft gerungen. Durch diverse
Charakterstärken- und schwächen ergibt sich eine enorme Vielfalt an
Meinungen zur Moral.
Die Charaktere
begegnen sich auf einer Party. Alceste will sich selbst treu bleiben
und verliert dabei den Anschluss an die Gesellschaft, welche im
Gegenzug wenig mit diesem Außenseiter anzufangen weiß. Felix Goeser,
der den Misanthropen spielt, überzeugt auf voller Linie. Einige
kleine Veränderungen an dem Originalstück wurden vorgenommen. Anstelle
der Boten spielt Oronte, der der Auslöser des Streites von Alceste mit
dem Gericht ist, den warnenden Polizisten und ebenfalls die besorgte,
tattrige Mutter Alcestes.
Die Reimform wird mit
einer Intensität beibehalten, die dem Spiel einen grotesken Anstrich
gibt und für Komik sorgt. Vulgäre Einschübe erscheinen stimmig. Die
Gratwanderung zwischen Belustigung und Moralvermittlung ist gelungen.
Die Komödie wirkt auch fast 350 Jahre nach der Erstaufführung
meisterlich.
Ganz erstaunlich wirkt
die Bühne des Schauspielhauses durch einen Steg, der sich durch den
gesamten Zuschauerraum bis hin zum ersten Hochparkett zieht, und so
eine ganze neue Theatererfahrung mit sich bringt. Ein Raum, der auf
einem Stahlträger befestigt und jederzeit zum Kippen bereit ist,
bildet das eigentliche, lebhafte Bühnenbild.
In der heutigen Zeit,
in der Mobbing und Lästereien zum Alltag gehören, hat das Stück
erzieherische, fast belehrende Aspekte. Unter Karin Henkels Leitung
bieten die Schauspieler eine überzeugende Leistung. Das neu erfundene
Ende des Stückes bildet einen gelungenen Abschluss eines aufrüttlenden
Theaterabends. Man verlässt den Theatersaal amüsiert und nachdenklich
zugleich. In vielerlei Hinsicht ein überraschender und bereichender
Abend.
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