Kabarettist frotzelte über den
„rheinischen Kapitalismus“ und dicke Kinder. Leverkusen ist für
ihn ein
Schmelztiegel, aus dem viele Kollegen hervorgegangen sind.
„Der kommt ja vom Hölzchen
auf' s Stöckchen,
auf' s Stöckchen und noch ein Stöckchen. Ist aber schön.“ Die
Begeisterung über den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, war in der Pause
unüberhörbar.
Vor allem war es ein sympathischer Zug, dass er sein Programm „Da
wissen Sie mehr als ich . . .“
für „ömesöns“ in der Aula des
Lise-Meitner-Gymnasiums vortrug. Der Erlös der Benefizveranstaltung kommt dem
Eine-Welt-Kreis der Schule zugute, und mit Beckers Ausführungen zur
Entstehungsgeschichte des „Rheinischen Kapitalismus“ ergänzten sich das Kabarett
und der karitative Gedanke bestens.
Schnell
ausverkauft
Wenn ihm ein Projekt
gefällt, dann ist Becker gerne bereit, es zu unterstützen. „Letztens war ich im
Hövi-Land - bei der Katholischen Kirche“, erklärt er. Dort unterstützte er
Pfarrer Franz Meurer und sein engagiertes Projekt für sozial benachteiligte
Kinder aus Höhenberg und Vingst. Sein Besuch in Leverkusen dürfte wiederum an
der Lise-Lehrerin Margot Schlömer liegen, mit der er als Sechsjähriger in Köln
gemeinsam die Schulbank drückte. Man verlor sich aus den Augen, traf sich
wieder, und als die ihm eine Mail mit der Anfrage schickte, ob er den
Eine-Welt-Kreis unterstützen wolle, kam erst einmal drei Monate gar nichts. Dann
sagte er zu. Und flugs war die Veranstaltung ausverkauft.
Im Gespräch nennt Becker
Namen wie Wilfried Schmickler, Klaus D. Huber und Wolfgang Müller-Schlesinger,
schwärmt vom Schweinesaal und meint, dass Leverkusen als Schmelztiegel der Kunst
des Kabaretts gut tue. „Die Chemie stimmt.“ Auch die Arbeit des
Kulturausbesserungswerks, das quasi die Nachfolge des ehemaligen Wiesdorfer
Schweinesaals angetreten hat, gefällt ihm. Und nach wie vor schätze er die
Jazztage. Nichtsdestotrotz frotzelte er auf der Bühne ein bisschen über
Leverkusen als „Ausland“. Immerhin war er mit der Beleuchtung in der „Lise“
zufrieden. Im Lampenbereich sei man ja ganz weit vorne.
Schnoddrig den Bogen vom
Banalen zum Weltläufigen zu spannen, das beherrscht Becker mit Bravour. „Wenn
das mit der Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, haben wir bald mehr Lampen
als Schüler“, folgerte der Kölner, der seine Heimatstadt gerne als „Biotop für
Bekloppte“ bezeichnet. Und dann beruhigte er wieder: Auch wenn in Frankreich die
Frauen durchschnittlich 1,97 Kinder zur Welt brächten, und in Deutschland nur
1,36, laufe es mengenmäßig doch auf das gleiche Maß hinaus. Schließlich gebe es
hierzulande genügend dicke Kinder.
Seit Jahren unterstützt man
eine Leprastation in Tansania, die mittlerweile auch HIV-Station ist. Und in der
Leverkusener Partnerstadt ist der Eine-Welt-Kreis, in dem derzeit 1300 Schüler
mitmachen, aktiv. Drei Schulen unterstützt man dort. Monika Döllscher und Wiete
Godthardt vom Eine-Welt-Kreis freuten sich besonders über die Unterstützung.
Wenn Promis im großen Stil für einen guten Zweck auf die Bühne gehen, wie es in
Fernseh-Galas geschieht, dann kann Becker damit leben. Eine wie die stets wie
aus dem Bilderbuch gekleidete Unesco-Sonderbotschafterin Ute Ohoven müsse man ja
nicht mögen. Aber: „Geld stinkt nicht.“
(KStA)
Artikel vom Leverkusener Anzeiger
